Informationen zum Konzert am 4.12.2016
 

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, die wir Europäer in der dunkelsten Jahreszeit feiern, ist es vielen Menschen ein Bedürfnis die Musik Johann Sebastian Bachs, insbesondere sein Weihnachtsoratorium aber auch seine adventlichen und weihnachtlichen Kantaten zu hören. Hörer Bachscher Musik können die Weihnachtszeit nicht nur „dunkel-heimelig“ erleben, sondern anders – als „gehörtes Licht“.

Vielleicht sehnen sich viele niedergedrückte Menschen unserer Zeit danach, sich immer wieder neu der Sonne, dem Glanz und der Freude einer ganz anderen Welt auszusetzen – durch eine Musik, in der sich Himmel und Erde berühren.

Die vier großartigen Werke Bachs, die wir in unserem Konzert am 4. Dezember um 17.00 Uhr in St. Sebastian aufführen werden, gehören allesamt in die Schaffensperiode seiner späten Jahre, stehen also ganz im Zeichen seines reifen Stils.

Die Missa g-moll, wie auch das Weihnachtsoratorium und die Weihnachtsmusik „Gloria in excelsis Deo“ sind meist Entlehnungen aus älteren Werken Bachs – aber nicht, um wie lange fälschlicherweise angenommen wurde, den Kompositionsprozess abzukürzen, sondern um in Bachs Augen besonders wertvolle Kompositionen noch einmal in einem anderen Kontext, in einem vielleicht noch helleren Licht erstrahlen zu lassen.

Die Missa g-moll, eine der vier sogenannten „lutherischen“ Messen, besteht nur aus den Messeteilen Kyrie und Gloria – in dieser kunstvollen, dichten Musik spüren wir noch die Dunkelheit und oft die Verzweiflung, die Tränen, aber doch auch die frohe Hoffnung auf Erlösung.

Die Kantate „Wachet auf ruft uns die Stimme“ führt den Adventsgedanken weiter. Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen – den fünf klugen und den fünf törichten, die in der Nacht auf die Ankunft des Bräutigams warten, ist Gegenstand des Chorals „Wachet auf ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai und zugleich Grundlage dieser wunderbaren Musik. Zu Beginn ist es Nacht „Mitternacht heißt diese Stunde“ und in großer festlicher Erregung wird der Bräutigam erwartet. Zwischen die drei Choralstrophen des Adventliedes werden zwei der schönsten Liebesduette der Musikliteratur gestellt: die Stimme der Seele, die auch Tochter Zion genannt wird und die Stimme Jesu.

Die Kantate endet mit dem Choral „Gloria sei Dir gesungen“ in unglaublicher Helligkeit und Strahlkraft – einem Abbild des ewigen Glanzes im himmlischen Jerusalem.

Nach diesen zwei adventlichen musikalischen Betrachtungen verdeutlichen die beiden folgenden Kompositionen das Wunder und all die Pracht des Weihnachtsfestes.

Das „Weihnachtsoratorium“, das Bach für den Jahreswechsel 1734 / 1735 komponierte, ist kein in sich geschlossenes Werk, sondern ein Zyklus aus sechs jeweils abgeschlossenen Kantaten, die an den verschiedenen Feiertagen der Weihnachtszeit als Gottesdienstmusiken erklangen. Seine 1. Kantate „Jauchzet frohlocket“ beleuchtet die Geburt Jesu mit prachtvollen Chören und Arien, aber auch mit inniger, wiegender Hirtenmusik.

Die lateinische Weihnachtsmusik von 1745 „Gloria in excelsis Deo“ beruht ganz und gar auf dem „Gloria“ aus Bachs berühmter h-moll-Messe. Johann Sebastian Bach hat den Eingangschor unverändert übernommen: der Bezug zum Weihnachtsfest ist klar – die Worte dieses Satzes sind der Engelsgesang bei der Verkündigung der Geburt des Heilands nach Lukas 2, 14: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ In dieser wunderbaren Friedensbotschaft von Johann Sebastian Bach berühren sich (auch musikalisch) Himmel und Erde auf unnachahmliche einzigartige Weise!

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