Informationen zum Konzert am 23.11.2014
 

Passend zum Ende des Kirchenjahres werden im  diesjährigen Konzert zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach und das Requiem in c-moll von Michael Haydn erklingen.
Alle drei musikalisch sehr unterschiedlichen Werke verbindet eine gemeinsame Thematik: Tiefes Leid, Trauer und Schmerz, der durch die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott zu Trost, Erlösung und „himmlischen Freuden“ gelangt.

Sowohl die frühe Kantate „Nach Dir, Herr, verlanget mich“ als auch die 1714 entstandene Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ waren Trauermusiken, die wahrscheinlich auch zu Begräbnissen aufgeführt wurden.
Die Kantate BWV 150 „Nach Dir, Herr, verlanget mich“ gehört zu den frühest überlieferten Kantaten Bachs überhaupt – sie wurde 1708/09 in Mühlhausen oder gar noch in Arnstadt komponiert.

In den zahlreichen expressiven Chören beschreibt die Kantate, deren Text auf Psalm 25 basiert, die Leiden dieser Welt aber auch die Hoffnung auf Erlösung durch Christus mit sehr plastischen, eindringlichen musikalischen Bildern: Seufzermotive, Lamentofiguren, chromatisch sinkende Halbtonmotive einerseits aber auch aufsteigende Ganztonleitern, die als Kontrast strahlend den Weg zu Gottes Wahrheit zeigen.

Die Kantate BWV 21 „Ich hatte viel Bekümmernis“ aus Bachs Weimarer Zeit gilt zu Recht als eines der schönsten und tiefsten Werke aus Bachs Feder. Schon ihr großes Ausmaß ist bemerkenswert im Vergleich zu anderen Kantaten. Auch im Zentrum dieser Kantate steht der verzweifelte, „bekümmerte“ Mensch, der voller Hoffnung auf Jesu Licht blickt und am Ende voller Freude Gott preist. Hier veranschaulicht Bach im 1. Teil in noch eindringlicherer musikalischer Weise die Traurigkeit, den Kummer und die Tränen, im 2. Teil, der mit einem Dialog zwischen der in der Finsternis wandernden Seele (Sopran) und Jesus (Bass), der Licht und Schutz verspricht, beginnt, führt er die Musik dann zu einem strahlenden sieghaften Lobpreis Gottes, der durch die Hinzufügung von 3 Trompeten und Pauken im Schlusssatz musikalisch noch unterstrichen wird.

Michael Haydn, der 4 Jahre jüngere Bruder des berühmteren Joseph Haydn wirkte über 40 Jahre lang ab dem Jahr 1762 als Hofkomponist und Kapellmeister in Salzburg. Auch heute noch gilt er landläufig  als ein „ständig heiter“ (und oft etwas brav) komponierender Rokokokomponist.
Umso erstaunlicher, dass M. Haydn mit seinem Requiem für Erzbischof Schrattenbach ein Werk gelang, das durch bisher ungehörte Dramatik, Tiefe, leidenschaftliche Intensität und Dichte zu einer ganz eigenen Tonsprache fand.

1771 war ein schwarzes Jahr für Michael Haydn. Seine einjährige Tochter, sein einziges Kind starb im Januar und im Dezember desselben Jahres verstarb sein von ihm so geschätzter Dienstherr Erzbischof zu Schrattenbach, für den er dieses Requiem offiziell komponierte. Sicherlich spiegelt das Werk in seiner Tiefe und Trauer aber auch Reflexionen über den Verlust seiner kleinen Tochter wider.

Wolfgang Amadeus Mozart, der bei der Uraufführung dieses Requiems als Fünfzehnjähriger in Salzburg im Orchester mitspielte, war offenbar so sehr beeindruckt vom Werk Michael Haydn, dass er 20 Jahre später bei seinem eigenen Requiem unverkennbar sich von Haydn beeinflussen und inspirieren ließ. Besonders auffällige Parallelen und Entsprechungen zwischen seinem eigenen Requiem und dem Schrattenbach-Requiem Haydns zeigen, welch tiefgehende Wirkung und Faszination von den Partituren des um 19 Jahre älteren Haydn ausgegangen sein muss, die Mozarts späte Arbeiten im sakralen Bereich hinsichtlich tonsprachlicher Vertiefung und kontrapunktischer Durchdringung wesentlich mitbeeinflusst hat.

Michaela Prentl

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