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Magnificat
Bach Kantate 147

Das Magnificat spielt in der Kirchenmusik eine ganz besondere Rolle und ist einer der am häufigsten vertonten Texte in der Geschichte der abendländischen Musik. Der Text stammt aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas, es ist das Lied der schwangeren Maria, das angestimmt wird, als diese ihre Verwandte Elisabeth besucht und von ihr als „Mutter des Herrn“ gepriesen wird. Ein Lobgesang mit geradezu revolutionären Inhalten: „er stürzt die Mächtigen vom Stuhl und erhöht die Niedrigen ...“ – Aussagen einer Frau zu einer Zeit, als das Patriarchat noch selbstverständlich war und es den Frauen nicht zustand, sich in Politik und Gesellschaft zu Wort zu melden.

Die deutlichen Bilder, die reiche oft drastisch-dramatische Vielfalt, der große Jubel – all dies war und ist bestens geeignet, einen Komponisten zu großen Tonschöpfungen zu inspirieren. In unserem Konzert stellen wir drei sehr unterschiedliche Magnificat-Vertonungen aus der Barockzeit einander gegenüber:
Das Magnificat des Neapolitaners Francesco Durante, das durch die Plastik seiner Themen, die sofort wie „Volkslieder“ in Ohr und Herzen haften, besticht,
dann ein Magnificat des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka, dessen farbige, expressive, oft überraschende Harmonik und polyphonen Techniken ihn zu einem Barockmeister ersten Ranges werden lassen,
und als krönenden Abschluss das berühmte Magnificat von Johann Sebastian Bach, das in seiner Einzigartigkeit und Größe zu den schönsten und tiefsten Schöpfungen über diesen Text gehört.

Wie Bach hier die Inhalte in musikalisch-plastische Bilder verwandelt, ist mitreißend und tief bewegend.

Vor diesen Magnificat-Vertonungen erklingt J: S. Bachs Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“, komponiert zum Fest Mariä Heimsuchung, also dem Gedenktag der besagten Begegnung von Maria und Elisabeth. Die musikalisch gleichen Choralsätze „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ und „Jesus bleibet meine Freude“, die den ersten bzw. den zweiten Teil der Kantate beschließen, gehören zu den bekanntesten Kompositionen J. S. Bachs und erfreuen sich seit langem großer Beliebtheit und Popularität. Nicht das Marienlob, sondern das Lob Gottes und das „Auserwähltsein“ Marias steht im Zentrum der Aussage und so wird in dieser wunderbaren Kantate dem Magnificat mehr Raum gegeben als dem Bericht der Heimsuchung. Wie Marias Lobgesang das dankbare Bekenntnis zu Gott ist, so ist auch die Gemeinde, ja
die gesamte Christenheit von J. S. Bach aufgerufen, in dieses öffentliche Bekenntnis zu Gott einzustimmen: ... „darum lass ich Jesum nicht aus dem Herzen und Gesicht“.

Michaela Prentl

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