Wohl wenige Werke sind im Laufe der
Musikgeschichte sowohl zu Lebzeiten des Komponisten als auch bis heute so
beliebt und bekannt gewesen wie Georg Friedrich Händels „Messiah“. So ist der
„Messiah“ nicht nur eines der beliebtesten Werke in der Geschichte der
abendländischen Musik, sondern das meist gesungene Oratorium überhaupt!
Mit dem „Messiah“ gelang Händel ein Werk, das seine Fähigkeit, große Effekte mit
zündenden musikalischen Einfällen und oft einfachen kompositorischen Mitteln
darzustellen, besonders eindrücklich unter Beweis stellt. Der musikalische
Abwechslungsreichtum, die unerschöpfliche Fülle an musikalischen Ideen
einerseits und das überkonfessionelle, ja überzeitliche Libretto des
Textdichters Charles Jennens, nämlich die ausschließliche Verwendung von
Bibeltexten aus Altem und Neuem Testament andererseits machen das Werk so
einzigartig und unsterblich.
Im „Messiah“ geht es nicht um ausgewählte Episoden aus dem Leben Jesu, sondern
um eine vollständige Darstellung von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Dabei
greift der Librettist Charles Jennens hauptsächlich auf prophetische Texte des
Alten Testaments zurück.
Im ersten Teil des Oratoriums steht die Geburt dessen im Zentrum, der die
Menschen aus Drangsal und Missetat erlösen soll, der zweite Teil handelt von
Passion, Auferstehung, Himmelfahrt und dem Sieg Gottes über die Heiden, der
dritte Teil schließlich formuliert die Bedeutung der Heilsgeschichte Jesu für
uns Menschen.
Auch wenn der „Messiah“ zum Inbegriff des Oratoriums überhaupt geworden ist, so
trägt er doch seltsamerweise gar keine Merkmale eines typischen Oratoriums: es
gibt keine szenischen Darstellungen, kaum dramatische Elemente und vor allem
keine handelnden Personen, keine Christusrede. So vermied es Charles Jennens
Jesus Christus durch einen einzelnen Sänger darzustellen – dies wäre damals
undenkbar gewesen und hätte sicherlich beim Klerus großen Anstoß erregt.
Händel schrieb dieses großartige Oratorium aus einer schwierigen persönlichen,
schöpferischen und depressiven Krise heraus im Sommer 1741 in einem
Schaffensrausch von nur drei Wochen – für uns heute unbegreiflich und unfassbar!
Nach der Fertigstellung des „Halleluja“ soll Händel ausgerufen haben: „Ich
glaubte den Himmel offen und den Schöpfer aller Dinge selbst zu sehen!“
Michaela Prentl