Informationen zu
Mozart: c-moll-Messe
Haydn: Nelsonmesse

Zwei gewichtige Messvertonungen aus der Epoche der Wiener Klassik werden an diesem Konzertabend einander gegenübergestellt:
Haydns „Missa in angustiis“, besser bekannt unter dem Namen „Nelson-Messe“ und Mozarts letzte Messvertonung, seine bedeutsame c-moll-Messe.

Haydns „Missa in angustiis“ (die “Messe in Not und Bedrängnis”) ist die dritte der sechs großen späten Messen Haydns, die auch als liturgische Symphonien bezeichnet werden und wohl Haydns bekannteste Messvertonung. Komponiert 1798 erhielt sie noch zu Lebzeiten Haydns den volkstümlichen Namen „Nelson-Messe“, da nach einer nicht stichhaltigen Anekdote die schmetternden Trompetenfanfaren im Benedictus eine Reaktion Haydns auf den Sieg des britischen Admirals Lord Nelson über die napoleonische Flotte in der Schlacht bei Aboukir 1798 gewesen sein soll. Fest steht, dass das Werk im September 1800 zusammen mit seinem Te Deum anlässlich eines Besuches des englischen Admirals auf Schloss Esterhazy in Eisenstadt aufgeführt wurde. Die Verbindung gerade dieser Messe mit dem Namen des berühmten Kriegshelden ist also gewiss kein Zufall. Der für Haydn ungewöhnlich heroische Ton, die Dramatik und der leidenschaftlich vorwärts drängende Impuls lassen etwas von den Erschütterungen jener Zeit ahnen, als die französischen Heere die Länder Europas bedrohten und die Ideen der französischen Revolution die bestehenden Ordnungen in Frage stellten. Ihre Spezifik bezieht die Nelsonmesse aus der eindringlichen Gestaltung bitterster Not und seelischen Leidens und deren Auflösung durch die Musik. Vom Ausgangsmoment der großen seelischen Bedrängnis entwickeln sich Abschnitte des Innehaltens, des innigen Flehens oder des einfachen Gebets bis zum Augenblick des triumphierenden Jubels. Im Gewand des liturgischen Textes verweist die Vertonung aufgrund ihrer einfühlenden Zeichnung persönlichsten menschlichen Gefühls auf das Hoffen der Menschen, auf ihre große Sehnsucht nach Frieden. In diesem Sinn ist die Nelsonmesse auch Spiegel des damaligen politischen Zustands in Europa mit seiner permanenten Kriegsgefahr.

Mozarts große c-moll-Messe ist neben dem Requiem sein bedeutsamstes geistliches Werk und in der musikgeschichtlichen Stellung der Messkomposition zwischen Bachs „h-moll-Messe“ und Beethovens „Missa solemnis“ von singulärem Rang.
Als Mozarts letzte Messvertonung blieb die c-moll-Messe wie sein Requiem aus rätselhaften Gründen unvollendet. So fehlen gewichtige Teile wie das Crucifixus, das Et resurrexit, das Agnus Dei und das Dona nobis pacem völlig. Und doch unterscheidet sich die c-moll-Messe von allen vorher entstandenen Messkompositionen Mozarts grundlegend, ja sie lässt alles bisher in diesem Genre geschriebene hinter sich. Während die früheren Mozartmessen den liturgischen Text mit wunderbarer Musik umkleiden, lebt die c-moll-Messe von der musikalischen Auslegung des Worts, ja von einer Dramatisierung des Messtextes. So wird jeder Textgedanke von Mozart zu einem eigenständigen unverwechselbaren musikalischen Bild verarbeitet, das sowohl im großen Zusammenhang als auch im Detail in höchstem Grad bestaunenswert ist.
Zwei Gegebenheiten beeinflussten Mozart bei der Konzeption und Komposition der c-moll-Messe:
1782 heiratete er die Sängerin Constanze gegen den Willen seines Vaters und erfüllte mit der Komposition ein Versprechen, das er wohl in den schwierigen Tagen vor seiner Heirat abgelegt hatte. Gewiss hoffte er damit sowohl seinen irdischen als auch seinen himmlischen Vater zu versöhnen. Zum anderen hat sich Mozart in der Entstehungszeit der c-moll-Messe durch die Begegnung mit dem Wiener Mäzen Baron von Swieten viel mit der Musik Händels und Bachs beschäftigt und es scheint so, als habe er in seiner letzten Messkomposition alle Stile der alten und neuen Kirchenmusik in einem gewaltigen Werk bündeln wollen.
In neuerer Zeit wurde verschiedentlich der Versuch unternommen die fehlenden Teile des Werkes aus Fragmenten und skizzenhaftem Material Mozarts zu ergänzen. So verständlich dieser Wunsch auch ist, so scheint mir gerade die schroffe Größe und Schönheit des Torsos so einzigartig.

Michaela Prentl