Informationen zum
Sommerkonzert 2011
 


Maurice Duruflé:
Requiem op. 9 (1947)


Maurice Duruflé wurde 1902 in der Normandie geboren. Er ging als junger Mann zum Kompositions- und Orgelstudium nach Paris, wo er bis zu seinem Tod als Professor für Komposition und Organist an der Kirche St. Etienne du Mont wirkte.
Unter seinen Kompositionen ist das Requiem von 1947 sein Hauptwerk. Duruflé orientiert sich bei diesem erlesenen Werk am Requiem des von ihm so verehrten Gabriel Fauré, das 1888 entstand – ebenso wie dieser legt er sein Hauptgewicht auf den tröstlichen und kontemplativen Charakter des Requiem-Textes.
Faszinierend an Duruflés Requiem ist die gelungene Synthese zweier auf den ersten Blick unvereinbar erscheinenden Klangwelten. Eingebettet in die spätromantisch-impressionistische Tonsprache hört man den altkirchlichen gregorianischen Choral in zwar unterschiedlicher Weise, aber ständig präsent, was dem Werk eine innere Geschlossenheit und unvergleichliche atmosphärische Ausstrahlung verleiht. Sicherlich gehört Duruflés Werk zu den schönsten, ergreifendsten Requiem-Vertonungen des 20. Jahrhunderts.
Im heutigen Konzert erklingt die Fassung des Requiems für Chor und Orgel.


J. S. Bach:
„Jesu, meine Freude“ BWV 227


„Jesu, meine Freude“ komponierte Johann Sebastian Bach zwischen 1723 und 1735 höchstwahrscheinlich zum Anlass einer Begräbnisfeier. Diese fünfstimmige Motette zählt wie seine anderen Motetten zu den am dichtesten gearbeiteten Kompositionen in Bachs Gesamtwerk. Musikalisch und textlich ist dieses Werk im Ton einer Trauermusik gehalten und vermittelt die Abkehr von allen weltlichen Dingen und die Hinwendung zum Geist Jesu, der über den Tod und alle Traurigkeit triumphiert (Schlusschoral: „ ... dennoch bleibst du auch im Leide Jesu, meine Freude“).
In dieser Motette erklingen sämtliche fünf Strophen des Chorals „Jesu, meine Freude“, unterbrochen von Texten aus Kapitel 8 des Römerbriefs.
Gäbe es die Bach’schen Passionen nicht, so wäre diese Motette ein hinreichender Beweis für Bachs theologische Kompetenz.
Denn durch die Spiegelsymmetrie des Werkes mit dem Zentrum der Fuge „Ihr aber seid nicht fleischlich sondern geistlich“ stellt Bach die Kernaussage der Komposition (den Triumph des Geistes über den irdischen Tod) in den Mittelpunkt. Wie gespiegelt werden die übrigen Sätze um diese Fuge gruppiert und stehen jeweils in einem engen Zusammenhang. So entsprechen sich jeweils Anfang- und Schlusschoral, die beiden motettischen Teile „Es ist nun nichts“ und „So nun der Geist“, die figurierten, musikalisch den Text interpretierenden Choräle und die beiden Terzette.

Michaela Prentl