Kritik / Stimmen zum Konzert  vom 27.11.2011


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AZ München, 29.11.2011

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Sternstunde am 1. Advent in St. Sebastian
 

Bei der Konzertaufführung von Händels Oratorium „Messiah“ ist der SebastiansChor München, unterstützt durch das exzellente Orchester La Banda aus Augsburg und vier Gesangssolisten einmal mehr über sich hinaus gewachsen. Außergewöhnlich gut beherrschtes „Handwerk“ tritt hier hinaus auf das Terrain der Kunst: In jedem Moment spürt man die Begeisterung, Lebendigkeit, Konzentration und Hingabe dieses Chores. Als Zuhörer fühlt man sich so nicht als passives Element am Wegesrand, sondern mittendrin - wie am Geschehen beteiligt. Ich erinnerte mich während der Aufführung an die Worte Sergiu Celibidaches in seinen Kursen und Orchesterproben: „Musik existiert nicht, sondern entsteht in jedem Moment neu“ oder „das Publikum muss in jedem Moment erleben, wie etwas entsteht“. Diese Worte fand ich während der zweieinhalbstündigen Aufführung des „Messiah“ eindrucksvoll bestätigt.

Das berühmte „Halleluja“ am Ende des zweiten Teils kennt man meistens aus vom Gesamtwerk herausgelöste Aufführung in verschiedensten Besetzungen. Bei dieser Aufführung konnte man erfahren: erst im Zusammenhang und der vollständigen Dramaturgie des 2. Teils des Oratoriums erlebt man die mitreißende Wirkung dieses Finales. Solche Momente sind nur möglich, wenn Chor und Orchester sich von einem Dirigenten führen lassen, der jedes Detail eines dramaturgischen Spannungsbogens herausarbeitet und wie ein Puzzle in Präzisionsarbeit ineinander fügt. Dirigentin Michaela Prentl beherrscht diese Herausforderung souverän. Klare Strukturen und eine bis in feinste Details abgestufte Dynamik lassen erst musikalische Räume entstehen, in die man sich als Zuhörer hineingezogen fühlt. 

Es müssen viele Faktoren zusammen spielen - Können, Geduld, Vertrauen, Zuversicht und Zusammenhalt – um musikalische Werke reifen und letztlich solche Aufführungen zustande kommen zu lassen. Meine Glückwünsche an diesen außergewöhnlichen Chor von St. Sebastian in München-Schwabing.

Carl F. Hartmuth

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