Stimmen zum Konzert  vom 30.11.2008

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"Laboribus vendunt dii nobis omnia bona"
"Nur gegen Anstrengungen verkaufen uns die Götter alle Güter"

So bewiesen, am Sonntag, den 30.11.2008, anläßlich einer Aufführung der Messe in h-Moll, BWV 232, von Johann Sebastian Bach in der Kirche St. Sebastian zu München. Dort konnte man einer begeisternden Aufführung dieses höchst anspruchsvollen Werkes beiwohnen.
Man hörte neben auserwählten Gesangsolisten einen hervorragend geschulten Chor, der stimmtechnisch und musikalisch aufhorchen ließ, begleitet von der renommierten Orchestergruppe "La Banda", mit ihren vorzüglichen Solisten. Unter dem souveränen Dirigat von Frau Michaela Prentl, entstand eine vortreffliche Wiedergabe, die so große Bewunderung auslöste, daß diese Leistung mit einem lang anhaltenden Beifall honoriert wurde.

Prof. Dr. h.c. Franz Lehrndorfer

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Impressionen zur h-Moll-Messe in St. Sebastian am 30.11.08

 

Der SebastiansChor in München-Schwabing ist immer eine gute Adresse für Überraschungen. Schon bei meinem ersten Konzertbesuch vor einigen Jahren stellte ich nach wenigen Takten fest: Aha, das ist ja ganz was anderes! Wie lässt ich das aktuelle Konzert, diese alles übertreffende Aufführung, beschreiben? Die Möglichkeiten der Sprache stoßen hier an Grenzen. Das liegt zum Teil schon im Werk selbst begründet. Die h-Moll-Messe gilt immerhin als Spiegel des Gesamtwirkens von J. S. Bach und als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse für jenen überkonfessionellen und gesamteuropäischen Geist, der die Musik zum Ausgang des Barockzeitalters durchdrungen hat.

Dem SebastiansChor, der sich aus Menschen der verschiedensten Berufe zusammensetzt, schien die Herausforderung bewusst zu sein die er mit diesem Werk auf sich nahm. Immerhin galt es bereits zu Bachs Zeiten für Laienstimmen als nicht aufführbar. Der Chor hat also das nahezu Umögliche gewagt -- und gewonnen. Der schlanke, klare und transparente Klang des Chores bot für das Werk auch ideale Voraussetzungen.

Das Barock-Orchester La Banda hat längst international einen guten Ruf erworben. Es ist ein Geschenk, dieses Orchester erleben zu dürfen. Man erlebt, die Musiker sind mit vollem Einsatz dabei, sie gehen innerlich mit und bringen den Spirit mit hoher Transzendenz rüber. Man spürt auch, dass Chor und Orchester eine musikalische Seelenverwandtschaft verbindet. So zeigte sich ein vertrautes Zusammenwirken, das aber niemals routiniert, sondern in jedem Moment einmalig wirkt.

Die Dirigentin Michaela Prentl im Zentrum des Geschehens gab alles, was ein Dirigent geben kann, führte Chor und Orchester sicher durch das Werk und erreichte mit unsichtbaren Fäden jeden Sänger und Instrumentalisten. Auch die Gesangssolisten konnten sich auf eine zuverlässige Begleitung verlassen. Prentl ließ das Werk aus der Stille entstehen und schuf die Bedingungen, dass es seine unvergleichliche Wirkung entfalten konnte. Man kann nur erahnen, was es für sie und ihrem Chor, bedeutete, das Werk in vielen Monaten zu erarbeiten.

Als Maßstab für die Gesamtwirkung einer Aufführung gilt unter anderem, wie lange nach dem Schlussakkord der Beifall des Publikums einsetzt. Nach den Finalklängen des „Dona nobis pacem“ folgte erst mal eine ergreifende Stille, deren Wirkung im Gegensatz zu den vorausgegangenen Klangtürmen unbeschreiblich war. Die Ergriffenheit des Publikums und aller Mitwirkenden nach der zweistündigen atemberaubenden und makellosen Aufführung war spürbar. Endlich setzte der Beifallssturm ein und hielt nahezu eine Viertelstunde an. Johann Sebastian Bach hätte sicher seine Freude daran gehabt, sein Werk in dieser Form zu erleben!

Nach 25 Jahren gemeinsamer und überaus erfolgreicher Arbeit mit Michaela Prentl und 10 Jahren mit dem Orchester La Banda hat der SebastiansChor einen Meilenstein in der Musikgeschichte Münchens gesetzt. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Geschichte weitergeht …

 

München, 3.12.2008                                                      Karl Hartmuth